Und als der Tausendfüssler erklären sollte, wie er beim Gehen mit so vielen Beinchen zurechtkomme, kam er nicht mehr vom Fleck.

Aufträge der unterschiedlichsten Art – choreografieren heisst oft auch, ein Raumkonzept zu entwerfen, dann eine Dramaturgie zu planen. Erst jetzt folgen die Inszenierung und das Bewegen von Menschen. Berner Bundesplatz, Kleintheater, Drahtfabrik im Emmental, Stadttheater, Autosalon Genf, Expo-Pavillon – jeder Ort ist speziell und anders. Welchen Raum, welche Landschaft, welche Bühne hätten Sie denn gerne von Christian Mattis’ Ideen bespielt?

Eigenkreationen, Aufträge für Kollegen und Companies – und für Firmen, Messen, Festivals, Vernissagen, Preisverleihungen und weitere Anlässe der verrückten Art – was möchten Sie gerne inszeniert haben?

Zu seinen eigenen Soli schreibt Christian Mattis: Am Anfang ist’s nur ein Hirngespinst, ein Körpergespinst, ein dummes Gefühl im Bauch, man könnte doch… Ein Anflug einer Idee, Stimmungsbilder, bewegende Gedanken.

Im Studio. Tölpelhaft dastehen, wissend, dass alles Neue so alt ist wie die Welt. Spielen, suchen, pröbeln. Ein Zusammensetzspiel, wo nur einTeil der Teile da ist, eine Kostümidee hier, eine Bewegung dort. Eine Reise, deren Ziel nur vage vorschwebt und der Weg völlig offen ist. Zuweilen ein Labyrinth, kein Ausgang nirgends. Alles monatelang brach liegen lassen.

Und wieder bei Null anfangen. Notizen, Zeichnungen, Skizzen, Strichworte, Austausch mit anderen Leuten, und doch allein im entscheidenden Augenblick. Bewegungsabläufe nehmen Gestalt an, Beleuchtungsvorschläge tauchen auf. Der Schluss scheint klar, der Anfang überhaupt nicht. Der Intuition vertrauen, den Intellekt arrangieren lassen. Träumen, phantasieren, genau vorstellen, wie das alles auf der Bühne aussehen könnte. Ein Gerüst, eine Struktur, ein roter Faden. Die Teile finden sich, das Ziel scheint nah, aber ganz woanders als erwartet. Nun verdichten, ausfeilen, abrunden, reduzieren. Je einfacher, desto schwieriger. Durchläufe am Laufmeter – dann: Das erste Mal auf der Bühne, das erste Publikum!

Und selbst nach Dutzenden Vorstellungen ändern – ein unaufhörlicher Prozess.